Gamarjoba Tbilisi
Um 03:20 lande ich in Tiflis. Müüüüüde, denn auch im Anschlussflieger sind die Sitze so eng beieinander, daß ich nur nervös rumwurste und keine Position finde, in der ich es für 20 Minuten aushalte.
Egal, ist ja geschafft! Arsch lecken, Zoll-.- Kaum aus dem Flieger, biegt man einmal ab und steht in der Schlange; zumindest in der für Drittländer, was hier alles außer Georgien bedeutet. Das wird locker ne Stunde, denke ich mir und starte eine Folge Parks and Recreation. Tausend Mal gesehen, aber macht gute Laune, auch in Schlangen.
“Where are you from?” wird meine serielle Nostalgie rüde unterbrochen. Der Emitter der Nachricht ist ein Mann in erstaunlich schlecht sitzender und dadurch respektmindernder Polizeiuniform. “From Germany” antworte ich und streife die Kopfhöhrer ab. “And your plane?” hakt er nach. Ich bin zu müde, um logisch zu denken und nehme ihn wörtlich: “It was a Boeing, so the US, I think”. Das scheint ihn zu amüsieren, denn ein breites Grinsen offenbart zwei Zahnreihen, die so manchen Kettenraucher als Anfänger outen würden: “No, I mean Airport!” Ich schalte, wow, ich bin hardcore dumm “Oh, sorry, from Warsaw”. Er grinst breiter: “That counts!” lacht er und bedeutet mir, ihm zu folgen. Er platziert mich und ein paar andere Glückliche in die “Georgian Citizen” Schlange und nach 20 Minuten bin ich frei!
Schnell das Gepäck holen und dann raus aus dem Flughafen. Am Ausgang wartet Tengiz auf mich. Er ist mein Fahrer für den Transfer vom Flughafen zum Hotel. Den habe ich im Voraus gebucht, nachdem ich darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die Taxis hier kein Taxameter haben und ich habe wenig Bock auf feilschen. Tengiz fährt zum Festpreis ohne verhandeln, spricht dazu noch gutes English und so unterhalten wir uns während der gut 35 Minuten Fahrt über Deutschland, Russland, Ukraine, Georgien und das ich dringend Kinder brauche, denn in Georgien ist ein Mann meines Alters ohne Kinder “weird”, wie mir Tengiz versichert. “I’ll try”, verspreche ich ihm.
Es ist kurz nach fünf Uhr morgens, als ich im Hotel eintreffe. 24h Reception steht an der Tür. Stimmt auch, denn als ich die Tür öffne raschelt etwas in der Ecke und eine Frau erhebt sich unter mehreren Lagen Bettzeug von der Couch im Foyer. Ist bestimmt die beliebteste Schicht, denke ich mir und warte, bis die gute Dame gebootet ist. Sie schreibt sich ein paar Daten von meinem Pass ab und gibt mir dann die Keycard für’s Zimmer.
Zweckgemäß, gemütlich, cooles Bad und YAY! eine Klimaanlage!! Bäm, 18 Grad bitte, danke, gib ihm! Warum? Es ist feucht in Tiflis, beinahe tropisch feucht; wer hätte das gedacht? Ich sehe Parallelen zu Recife in der Vegetation, dem Zustand der Gebäude, Straßen und sonstiger Infrastruktur durch mangelnde, regelmäßige Wartung und eben der Feuchtigkeit.
Duschen und danach in einen vorklimatisierten Raum; was ein Luxus! Um kurz nach 06:00 geh ich endlich schlafen.