Erstes Mal
Mein erstes Mal Tiflis bei Tag. Nach 4 Stunden Schlaf (um kurz nach 6 Heia Bubu, Frühstück bis 11) aufstehen, duschen und ab zum Frühstück. Kleines Buffet, keiner redet, love it. Ich häufe mir Krams auf den Teller, von dem ich keine Ahnung habe, was es ist und hoffe das Beste.
Gelogen! Eines erkenne ich: Hüttenkäse! Ok, Ei gibt es auch, aber das sieht nicht gut aus also lass ich es lieber sein und bleib bei Hüttenkäse, Brot und Marmelade. Was für Marmelade genau wird ein Geheimnis bleiben, denn die ist so süß, daß ich kurz auf den Salz-, und Pfefferspender schiele, den Gedanken aber dann doch verwerfe.
Die Mischung aus Frischkäse, der hier ein wenig schmeckt, wie es im Stall riecht, scheint nicht geläufig und so ernte ich von meinen Nachbarn erstaunte bis angewiderte Blicke. Im Verlauf der Nahrungsaufnahme bekomme ich mit, daß das wohl Russen sind. Wow, habt ihr grad nicht andere Probleme als kulinarische Exotik?
Fuck it! Ich hab auch besseres vor und beende mein Frühstück. Zurück auf’s Zimmer und umpacken. Kamera, irgend ne Jacke, Bargeld zum Tauschen, Rucksack stopfen und ab dafür. Ich verlasse mein Hotel und stelle fest ich brauche noch eine Zahnbürste und Zahnpasta. Die sind beide meinen Packkünsten bzw. den Gewichtsbeschränkungen von LOT zum Opfer gefallen. Also nach einer Drogerie gesucht und ab dafür.
Nach der Drogerie steht die Wechselstube an, wo ich das erste Mal merke, daß das Klischee des freundlichen Georgiers sicherlich gerechtfertigt, aber nicht universell anwendbar ist. Die “Empfangsdame” direkt hinter dem Eingang brüllt mir irgendwas entgegen kaum das ich dir Tür offen hatte. “Bodishi” (Entschuldigung) stammele ich, wechsle auf Englisch und frage ob sie selbiges spricht. “Yes! What do you want?”. Wäsche waschen, du F….! Jesus Christ, was wird ein Tourist in einer Wechselstube wohl wollen. Egal, Customer Service Voice: engange! Ich erkläre, was ich will und sie schickt mich an den Schalter zu einer Kollegin.
Ich frage mich wofür die bezahlt wird, den die ca. 3 Meter zum Schalter hätte ich gefunden. Ihre Kollegin ist nicht besser drauf. Ich setze an, zu erklären, daß ich gern…”PASSPORT!”. Ich geb ihr Passport. Sie guckt immer wieder abwechselnd auf meinen Pass und auf mich. Schreit irgenwas in den Raum, ihre Kolleginnen lachen, ich komme mit scheiße vor. “MONEY!”, ich geb ihr meine Euros. Sie füllt irgendwas aus, wirft es mir hin. “SIGN!”, ich signe und sie zählt mit das Geld so hin, daß viele der Scheine auf den Boden fallen und ich es aufsammeln darf. Ich sammle, verabschiede mich – Schweigen.
Krass, was genau deren Problem war, werde ich vermutlich nie erfahren, aber ich nehme mir vor mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Was wäre, wenn einer nach Hamburg kommt, als aller erstes einen Mitarbeiter der Hochbahn trifft und dann denkt, wir wären alle so. Da will ich nicht Zweiter sein.
Bei der SIM Karte läufts besser. Da wird mir erklärt, wie und was ich zu tun habe. Ich entscheide mich für das Paket in dem Telefonie, SMS und Daten für einen Monat unbegrenzt sind. 70 Lari will man dafür haben – ca. 25 Euro – Schnapper!
Und nu? Ich habe bis Mittwoch Zeit mir einen Transport nach Mestia zu suchen und noch alles zu organisieren, was ich noch brauche. Einen Adapter von micro SD Karten brauche ich noch und Waschmittel im Reiseformat. Aber einen Teil mache ich morgen, also am Dienstag, und so laufe ich einfach mal los und lasse mich überraschen.
Zuerst zurück zum Hotel und dann einfach mal querfeldein! Das Vietel, in dem das Hote liegt, befindet sich auf einem Hügel. Die Straßen verlaufen teilweise sehr steil und erinnern an San Francisco oder eine Favela. Was sofort auffällt: es gibt kaum Bürgersteige und wenn dann nur sehr schmal. Wie in Texas also. Die Straßen sind schlecht gepflegt und so, wie die Leute fahren, glaube ich nicht, daß man einen Führerschein braucht.
Es gibt kaum Ampeln oder Zebrastreifen. Während meines Rundgangs, der am Ende 20 Kilometer betragen wird, fällt mir ohnehin auf, daß Tiflis keine Stadt für Fußgänger ist. Nicht selten muss ich an einer Hauptstraße recht lange gehen, bis ich auf eine Möglichkeit treffe diese zu überqueren und selbst dann ist es selten eine Ampel.
“When in Rome” sage ich mir und beobachte wie gestandene Tiflisser? Tiflisen? die Leude halt es machen. Aggression ist Trumpf! Einfach losgehen, antäuschen, gucken, ob der Autofahrer bremst. Wenn ja, hat er verloren und man kann rüber. Denn der Zebrastreifen ist hier mehr als Empfehlung und weniger als Regel zu verstehen. Bei Ampeln machen aber alle brav mit.
Aber! Tiflis sieht cool aus. Eine Mischung aus schäbigen Sowjetbauten, heruntergekommenen Straßenzügen, teils tropisch anmutender Flora, beeindruckenden und liebevoll restaurierten Theatern, Museen und super-modernen Bauten, tut es mit irgendwie an. Es ist Chaos, aber irgendwie schön.
Erster Stop ist ein Platz am Ende des steilen Abstiegs meines “Hotelviertels”. Von dort wird klar, woher das Hügelige stammt. Tiflis liegt in einem Flusstal und erstreckt sich mittlerweile bis auf die die Stadt säumenden Berge.
Und ein Blick auf den Abstieg vom Hotel
Der Beweis: es gibt Zebrastreifen, wenn auch wenige. Dazu der Kontrast, den ich ansprach in Form eines Hybriden und eines Lada’s? Vll. auch irgendwas selbst gebautes.
Von dem Platz oben ging eine Treppe runter, die vor ein interessantes, wenn auch geschlossenes Etablissement führt. Die Kombination des Angebots macht’s…
Ich laufe weiter und stoße in einer Nebenstraße auf eine Art Ei. Es ist riesig und ich frage mich, was das wohl sein mag. Es stell sich raus, daß…well, lest einfach selbst. Interessant ist, daß man das Ei betreten kann. Ich habe es “Beauner Cave” getauft…see what I did there?
Weiter geht es durch die Stadt und ich komme irgendwann an die Kura, die durch Tiflis fließt. Es wird schlagartig windig auf der Brücke, was aber willkommen ist, denn es ist mit 21 Grad nicht wirklich heiß, aber mit 80% Luftfeuchtigkeit ist das egal. Das Video auf der Brücke und ein paar interessante Spots auf dem Weg dahin. Im Hintergrund sieht mach auch noch die berühmteste Brücke von Tiflis, die Friedensbrücke. Ich entdecke auch eine Seilbahn, aber das muss beides warten bis ich aus Mestia zurück bin.
Am Ende bin ich dann doch wesentlich mehr und länger gelaufen als geplant. Das musste belohnt werden. Die Limo schmeckt übrigens so gut, daß ich herausbekommen muss, wo ich die zu Hause herbekomme. Glücksfund, ich habe beim Bestellen einfach auf irgendwas gezeigt.
Dazu dann das. Irgendwas mit Spinat und der Dip muss was in Richtung Walnuss und Aubergine gewesen sein.













